INFORMATIONEN ZU ENURESIS

 

Auch die dunkelste Wolke hat einen silbernen Rand.

(Aus China)

 

Psychologische und psychotherapeutische Unterstützung bei Enuresis

Das Einnässen gehört nicht nur zu den häufigsten Erkrankungen des Kindesalters, sondern hat auch eine geringe spontane Rückbildungsrate. Als zusätzliches Problem kommt noch hinzu, dass die Rate von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern mit Enuresis deutlich erhöht ist.

Strategien wie Bestrafungen, eine Reduktion der Flüssigkeitszufuhr, nächtliches Aufwecken oder ein Verbot, die Toilette in der Nacht zu benutzen, haben sich nicht nur als unwirksam herausgestellt, sondern sind auch aus psychologischer Sicht absolut kontraindiziert und sollten vermieden werden. Weitaus Erfolg versprechender stellt sich die Technik des Belohnungsmanagements dar („Belohnung durch Erfolge und Erfolge durch Belohnung").
Die Möglichkeit der apparativen Behandlung (die so genannte „Klingelhose" und die „Klingelmatte" für das Bett) zeigt sich einerseits als sehr effizient und somit als das Mittel der ersten Wahl (ca. 70% der Kinder werden damit trocken), und erhöht andererseits in den meisten Fällen auch das Selbsteffizienzempfinden der Kinder (Kinder lernen, den Druck in der Blase bzw. den Harndrang wahrzunehmen und selbständig darauf zu reagieren), und dies wirkt auf diesem Weg wiederum positiv auf das Selbstbewusstsein.
Auch besteht oftmals die Notwendigkeit einer emotionalen Entlastung und Aufarbeitung bisheriger psychosozialer Stressoren (Trennung der Eltern, Umzug, Schulwechsel, etc.), welche Auslöser oder Ursachen der Enuresis waren.
Bettnässen stellt nicht nur für die betroffenen Kinder, sondern auch für ihr soziales Umfeld zumeist ein großes emotionales Problem dar (Auch daher ist das Einbeziehen der Eltern in die Therapie von großer Bedeutung).
Fast immer sind Peinlichkeitsgefühl und Scham mit Erkrankungen des Urogenitalbereichs verbunden.
Im Allgemeinen dürfen und sollen sich Kinder schämen. Die Emotion Scham bedeutet für uns Menschen die Möglichkeit, uns abzugrenzen, wodurch es uns auch möglich ist, unsere Intimsphäre zu schützen. Jedoch ist mit dem Gefühl der Scham vielfach auch das Empfinden einer Erniedrigung und in weiterer Folge auch Hilflosigkeit verbunden. Hier ist in der Psychotherapie von besonderer Wichtigkeit, dass diese emotionale Grenze auch akzeptiert wird. Gleichzeitig soll der Patient aber die Möglichkeit bekommen, das ihn störende und einschränkende Gefühl der Peinlichkeit zu bearbeiten und so aus der Hilflosigkeit wieder heraus zu kommen.

Mag. Harald Hornich
Klinischer- & Gesundheitspsychologe
Psychotherapeut-Verhaltenstherapie

Dieser Artikel ist im Februar 2006 für die Internetseite des Club Mondkind (http://www.clubmondkind.at/de/home/)
geschrieben worden.