INFORMATIONEN ZU TRICHOTILLOMANIE

 

Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.

(Franz von Assisi)

 

Definition

Der Fachbegriff besteht aus drei griechischen Wortbestand­teilen und umschreibt in seiner Bedeutung die zentralen Merkmale der Erkrankung: Die Betroffenen erleben einen subjektiv unwider­stehlichen und kaum kontrollierbaren Drang, sich einzelne Haare oder auch ganze Haarbüschel auszureißen.

Achtung: Die Betroffenen tragen nicht die „Schuld" für ihre Erkrankung!

 

Häufigkeit

Die Lebenszeitprävalenz beträgt bei Männern 1,6 % und bei Frauen 3,5 % und ist somit wesentlich häu­figer, als bis vor einigen Jahren angenommen wurde.

Die Häufigkeit wurde bisher vermutlich deshalb deutlich unterschätzt, weil starke Schamgefühle der Betroffenen dazu führen, die (auch oftmals sehr ausgeprägte) Symptomatik zu verschweigen und zu verheimlichen.

Auch gegenüber HausärztInnen oder Dermatologen/Innen, berichten Betroffene eher selten spontan über ihre Probleme.

Das Geschlechterverhältnis schwankt von 3:1 bis 9:1 (Frauen : Männer) (da Männer zumeist bessere Mög­lichkeiten als Frauen besitzen, um einen Haarverlust zu verbergen, und somit die Studien nur eingeschränkte Aussagekraft besitzen).

In Stichproben, die Kinder und Jugendliche betreffen, ist ein Geschlechterverhältnis (7:3 bis 1:1 Mädchen zu Jungen) gefunden worden.

 

Symptomatik / Erscheinungsbild

Haare, die ausgerissen werden, werden von den Betroffenen oft sorgfältig ausgewählt, Schmerzen beim Ausreißen werden von den meisten nur in geringen Maßen wahrgenommen. Eher selten wird der Schmerz aber auch bewusst gesucht.

Für einige PatientInnen ist nicht unbedingt der Moment des Ausreißens wichtig, sondern die orale Stimulation mit den ausgerissenen Haaren.

Dieser kurzfristige Genuss und die von vielen Betroffenen damit empfundene Entspannung, machen es besonders schwer, darauf zu verzichten.

Zumeist wer­den Kopfhaare ausgerissen (bis hin zu vollkommener Kahlheit), aber auch andere behaarte Körperstellen (Augenbrauen, Wimpern, Scham­haar etc.) können betroffen sein.

Aufgrund des starken Schamempfindens werden dünne oder kahle Stellen von den Betroffenen durch entsprechende Frisuren, Perücken oder Kosmetik verborgen.

Als weitere Folgen des Haareausreißens finden sich bei den Betroffenen, dass sie nicht mehr ins Schwimmbad oder in die Sauna gehen, Friseurbesuche meiden, keinen Sport mehr betreiben, soziale Kontakte vermeiden oder intimen Kontakten aus dem Weg gehen.

 

Kann eine Psychotherapie bei der Bewältigung helfen?

Eine Behandlung / Psychotherapie ist zu empfehlen, wenn die Symptomatik ausgeprägt ist und / oder aufgrund der daraus fol­genden emotionalen und psychosozialen Belastungen ein gewisser Leidensdruck besteht.

Hier haben sich sowohl kognitive Verhaltenstherapie als auch Pharmakotherapie (in Kombination mit Verhaltenstherapie) als am effektivsten er­wiesen und gelten somit als Methoden der ersten Wahl.

In der Verhaltenstherapie finden sich die Analyse möglicher Ursachen, Auslöser und aufrechter­haltender Bedingungen, kognitive Techniken, Erlernen von Entspannungstechniken (progressive Muskelentspannung nach Jacobson) bzw. Erarbeiten von Entlastungsmöglichkeiten, Selbstbeobachtung, Stressmanagement und die Reduktion von / Umgang mit Anspannungsempfindungen als Hauptbestandteile der Behandlung.

In der pharmakologischen Behandlung der Trichotillomanie können Antidepressiva (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) eingesetzt werden. Für Informationen bzgl. (Neben-)Wirkungen von Medikamenten fragen Sie bitte ÄrztInnen Ihres Vertrauens.

 

Für zusätzliche Fragen bezüglich Psychotherapieverlauf, Notwendigkeit einer Psychotherapie, Psychologischer Diagnostik, Rahmenbedingungen, etc. stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung (Mag. Harald Hornich: 0676 380 40 64).