Informationen zu Hauterkrankungen
Einleitung
Stangier (2002, S. 2) schreibt: „Klinische Beobachtungen weisen darauf hin, dass psychologische Faktoren eine wichtige Rolle in der Auslösung, Verschlimmerung oder Aufrechterhaltung von Hautkrankheiten einnehmen. Unmittelbar einsichtig ist auch, dass die durch Hautkrankheiten verursachten Veränderungen im Aussehen und die Beeinträchtigung des Wohlbefindens zu erheblichen psychischen und sozialen Problemen führen können."
Dies lässt darauf schließen, dass eine Vielzahl an möglichen Problemen vorhanden sein kann, welche mit dermatologischen Erkrankungen in Verbindung stehen können. Somit setzt eine wirksame Psychotherapie wie bei den meisten psychischen Problemen nicht nur an Symptomen an, sondern muss auch den vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen psychischen Problemen und den Hautsymptomen besondere Rechnung zollen.
Als „sichtbare" Erkrankungen haben es Hauterkrankungen an sich, dass sie nicht nur für den Patienten allgegenwärtig sind, sondern die Erkrankung auch im Sozialkontakt Verwunderung, Ekel, Ablehnung und somit eine Stigmatisierung hervorrufen können.
Patienten mit Hauterkrankungen fühlen sich oftmals minderwertig, erleben Stigmatisierung und werden vielmals mit den Emotionen und Vorurteilen anderer Menschen konfrontiert, womit Belastungen des Selbstwertempfindens und ein negatives Körperkonzept oftmals einhergehen.
Als weiterer Belastungsmoment findet sich das unvorhersehbare Verlaufsgeschehen der Erkrankung.
Von Aster & Burger (1996, S. 427) schreiben: „Chronische Krankheiten zeichnen sich durch ihre Nichtheilbarkeit oder ihren langwierigen, unberechenbaren Verlauf aus und haben tief greifende Veränderungen des Lebens der Betroffenen zur Folge."
Somit stellen psychische Belastungsmomente nicht nur eine mögliche Ursache von Hauterkrankungen dar, sondern spiegeln auch deren Folgen wider.
Häufigkeit
Dermatologische Störungen sind relativ häufige Erkrankungen (ca. 20%) und umfassen neben den Hauterkrankungen im engeren Sinne auch die Erkrankungen der Hautanhangsorgane wie Haare, Nägel und Talgdrüsen) als auch Geschlechtskrankheiten (vgl. Braun-Falco, Plewig & Wolf, 1996; Fritsch, 1998).
Braun-Falco, Plewig & Wolf (1996) und Fritsch (1998) führen folgende Häufigkeiten der Hauterkrankungen an:
Neurodermitis 5-10 % (Schulkinder: 15%)
Psoriasis vulgaris 1-3%
Akne vulgaris: 100% (Lebenszeitprävalenz)
Kontaktekzem 1-2%
Urtikaria 1-4% (Lebenszeitprävalenz 20-30&)
Malignes Melanom < 1%
Alopecia areata 0,3%
Weiters zeigte sich hinsichtlich der Geschlechterverteilung, dass Frauen und Männern gleich oft betroffen sind.
Komorbidität
Aufgrund dessen, dass insgesamt nur wenige Hautkrankheiten lebensbedrohlich sind oder im Verlauf eine Verschlechterung des körperlichen Zustandes aufweisen wie das Maligne Melanom, oder wie Sklerodermie und Epidermolysis bullosa, werden die emotionalen Belastungen nach wie vor vielfach unterschätzt.
Es kann heute davon ausgegangen werden, dass chronische Hauterkrankungen als psychosozialer Belastungsfaktor Symptome wie depressive Verstimmung, Angstsymptome, oder auch Störungen des Sozialverhaltens oder ebenso Mischformen der Symptome zur Folge haben können. Soziale Ängste bezüglich stigmatisierender Reaktionen der Umwelt können ebenso auftreten.
Stangier (2002) geht jedoch davon aus, dass vermehrt mit Angststörungen, affektiven Erkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und Substanzmissbrauch zu rechnen ist.
Wessley und Lewis (1989) fanden in Untersuchungen bei 30% der Patienten einer dermatologischen Ambulanz psychiatrische Störungen, die als Folgen einer Hauterkrankung auftraten.
Untersuchungen von Hughes, Barraclough, Hamblin & White (1983) ergaben, dass 30%-40% der Patienten in dermatologischen Ambulanzen und bis zu 60% der stationären Patienten depressive oder Angstsymptome aufweisen.
Soziale Folgen der Erkrankung
Patienten, die an Hauterkrankungen leiden, berichten, dass sie vielfach mit Vorurteilen aus ihrem sozialen Umfeld und Ausgrenzung konfrontiert werden.
Die negativen Reaktionen im sozialen Kontakt reichen von Abneigung und Ekel bis hin zu der zumeist unbegründeten Angst vor Ansteckung.
Häufig kommt es dazu, dass Kinder und Jugendliche mit Hauterkrankungen aufgrund ihrer Erkrankung unbeliebt und dadurch isoliert sind. Daher finden sich als sekundäre Komplikationen Störungen des Sozialverhaltens und ein niedriges Selbstwertgefühl.
Außerdem können Beeinträchtigungen des körperlichen Wohlbefindens aufgrund von Juckreiz oder infolge der sozialen Stigmatisierung wegen sichtbaren Hauterscheinungen entstehen.
Verhaltenstherapie bei Hauterkrankungen
Es wird heute bei Hautkrankheiten davon ausgegangen, dass emotionale und andere Belastungsfaktoren die Entstehung oder den Verlauf der Erkrankung beeinflussen, wenn eine genetische Disposition hierzu besteht.
Hinsichtlich der biologischen Faktoren stellte es sich als bedeutsam heraus, dass bei den meisten Hautkrankheiten eine genetisch festgelegt Tendenz besteht, auf Reize mit einer Symptomverstärkung wie z.B. Juckreiz oder Entzündung zu reagieren.
Psychologische Vulnerabilitätsfaktoren wie psychische Belastungen, ungünstige Bewältigungsstrategien, belastende Lebensveränderungen oder psychische Erkrankungen können einen Ausbruch der Krankheit bewirken, Krankheitsschübe begünstigen oder Symptome aufrechterhalten (vgl. Gieler & Stangier, 1996; Gieler, Stangier & Niemeier, 2001; Stangier, 2000).
Die letzten Jahre brachten durch die verstärkte Forschung in der Psychoneuroimmunologie neue Erkenntnisse darüber, wie Belastungen und die Symptome von Hautkrankheiten sich wechselseitig beeinflussen (vgl. Münzel, 1999; Buske-Kirschbaum et al., 1997; Schmid-Olt et al., 1998).
Zurzeit wird ein multimodales therapeutisches Vorgehen als goldener Standard gehandelt. Dabei ist es wichtig, dass Psychotherapie eine Ergänzung und keine Alternative zur medizinischen dermatologischen Behandlung darstellt.
Aufgrund der vielfältigen Beziehungen zwischen Hautkrankheiten, deren möglichen Auslösern und Folgen besteht umso mehr die Notwendigkeit einer genauen psychodiagnostischen Abklärung und darauf basierend eine Analyse der psychosozialen Belastungsmomente.
In der Therapie spielt die Psychoedukation eine besondere Rolle. Die Erarbeitung von auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren ist dabei von großer Bedeutung.
Ebenfalls können Ziele in der Psychotherapie sein, den Umgang mit psychischen Belastungsmomenten zu verändern, individuelle Vermeidungstendenzen zu identifizieren oder das Empfinden von Hilflosigkeit zu bearbeiten und somit insgesamt die Krankheitsbewältigung des Patienten zu fördern.
Stangier (2002, S. 54) schreibt: „Die Vielfalt der Einflussfaktoren erklärt, warum es schwierig ist, die Krankheit zu beeinflussen. In den jüngsten wissenschaftlichen Untersuchungen konnte auch aufgeklärt werden, wie sich psychologische Faktoren auf den Hautzustand auswirken können. So führen intensive oder dauerhafte Belastungen zu einer Störung der Immunzellen in der Haut (u. a. Lymphozyten und Langerhans-Zellen), die verstärkt Entzündungssubstanzen ausschütten.
Diese Störung der Immunzellen in der Haut wird verursacht durch die Ausschüttung von Stresshormonen in den Blutkreislauf als auch durch Ausschüttung von Entzündungssubstanzen aus den Nervenendigungen in der Haut."
Als wissenschaftlich am besten abgesichert gelten heute verhaltensmedizinische Behandlungsprogramme für die Behandlung von Neurodermitis.
Für zusätzliche Fragen bezüglich Psychotherapieverlauf, Notwendigkeit einer Psychotherapie, Psychologischer Diagnostik, Rahmenbedingungen, etc. stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung (Mag. Harald Hornich: 0676 380 40 64).