INFORMATIONEN ZU DEPRESSION

 

Nur die Sache ist verloren, die man selbst aufgibt.

Gotthold Ephraim Lessing

Einleitung

Depressionen gehören zu den am häufigsten auftretenden psychischen Problemen.
Der umgangssprachliche Begriff der „Depression" ist in der Allgemeinbevölkerung ein durchaus bekannter. Doch werden dabei oftmals - um nicht zu sagen meistens - eine „traurige Stimmung", die an sich nicht zu pathologisieren ist, eine Traurigkeit nach z.B. Verlusterlebnissen und klinisch relevante Depressionen in einen Topf geworfen.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Traurigkeit und Depressionen besteht darin, dass im Gegensatz zu einer vorübergehenden niedergedrückten Stimmung die Depression dadurch gekennzeichnet ist, dass die Beschwerden weder mit Anstrengung noch mit Willenskraft verändert werden können.
Die meisten Menschen kennen eine gedrückte Stimmung, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Mutlosigkeit und Verzweiflung aus ihrer eigenen Erfahrung.
Bei einer Depression sind diese Symptome allerdings deutlich ausgeprägter und gehen von alleine nicht wieder weg.

Anzeichen einer Depression

Depressionen sind aufgrund der Vielfältigkeit der Symptome oft nicht leicht zu erkennen.
Hauptmerkmale von Depression sind: stark gedrückte Stimmung, ausgeprägte Freudlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Grübeleien, Gedanken an Selbstmord, Schuldgefühle, Reizbarkeit, innere Unruhe, Verlangsamung des Denkens, Selbstzweifel, Selbstabwertungen, Interessenverlust, Verlust von Genussfähigkeit, Appetitverlust, Gewichtsverlust, sowie Antriebslosigkeit, Libidoabnahme, Müdigkeit und Schlafstörungen (Ein-, Durchschlafstörungen, frühes morgendliches Erwachen) und sozialer Rückzug.
Ein besonders gefährliches Problem stellt die Selbstmordneigung dar, welche aus dem Gefühl der Ausweglosigkeit, dem absoluten Pessimismus und der Hoffnungslosigkeit entsteht.
Nicht ein Symptom alleine macht eine Depression aus, erst wenn diese über einen längeren Zeitraum bestehen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sollte eine professionelle Unterstützung in Erwägung gezogen werden.
Hinzu können noch mögliche körperliche Beschwerden wie z.B.: Kopf-, Nacken- und Kreuzschmerzen, Schmerzen in den Armen und Beinen, Druckgefühle im Brustraum, das Gefühl nicht durchatmen zu können, Herzbeschwerden, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit mit Beschwerden in der Magengegend und krampfähnliche Schmerzzustände im Unterleib kommen.

Prognosefaktoren

Als beste Prognose für den Einzelfall zeigt sich der schon bekannte Erkrankungsverlauf der betreffenden Person. Weiters konnten bisher folgende Variablen für ein erneutes Auftreten einer depressiven Episode identifiziert werden: Beginn im jungen Erwachsenenalter sowie weibliches Geschlecht (vgl. Hautzinger, 1998).

Häufigkeit

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken (Lebenszeitprävalenz), beträgt für Männer 12 % und für Frauen bis zu 26%. Weiters zeigt sich eine deutlich höhere Rückfallneigung für weitere depressive Phasen bei Frauen.
Das Lebenszeitrisiko für Angehörige ersten Grades von Patienten mit affektiven Erkrankungen wird mit 35-40 Prozent für Geschwister und sogar auf über 50 Prozent für leibliche Kinder geschätzt und liegt somit deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung (ca. 14 %).
Als Risikofaktoren finden sich belastende Lebensereignisse, familiäre Belastungen, sozio-ökonomische Faktoren und Scheidungen / Trennungen und der Mangel an einer intimen, emotional positiven und unterstützenden Sozialbeziehung.

Komorbidität

Depressionen können in Verbindung mit vielfältigen anderen psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel Angststörungen, Süchten, psychophysiologischen Erkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, Zwängen, Essstörungen, Schizophrenien Demenzerkrankungen und chronischen (körperlichen) Krankheiten auftreten (vergl. Hautzinger, 1996b).

Soziale Folgen der Erkrankung

Nach wie vor haftet an Personen mit psychischen Erkrankungen der Makel der seelischen Schwäche. Dies betrifft besonders Personen mit Depressionen. „Reiss‘ dich zusammen", „Freu‘ dich doch endlich wieder", oder „Jetzt bist du aber lang genug traurig gewesen", sind wahrscheinlich Sätze, die die meisten Personen mit Depression mehrfach gehört haben. Dadurch dass die Erkrankung nicht ausschließlich körperliche Ursachen hat, geraten diese Personen in einen Teufelskreis zwischen Scham, sozialem Rückzug, Angst und der Depression an sich.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Verhaltenstherapie

Zumeist ist in der Psychotherapie ein „mehrsäuliges" Vorgehen zu wählen.
Hier steht die Arbeit an den Kognitionen (Gedanken) im Mittelpunkt.
Bei den meisten Patienten treten Veränderungen der Wahrnehmung und des Denkens auf. So treten bei Betroffenen Gedanken auf, dass sie selbst wertlos sind, dass sich Dinge niemals zum Besseren wenden werden und dass die Zukunft nichts Positives bringt. Die Aufmerksamkeit ist vorwiegend auf negative und belastende Aspekte des Lebens gerichtet und positive Dinge des Alltags werden kaum gesehen oder geschätzt.

Zumeist besteht zudem die Notwendigkeit, die Aktivität (Bewegung, Spaziergänge, Teilnahme an sozialen Interaktionen) wieder aufzubauen.

Ergänzt wird die Therapie vielfach noch durch das Erlernen von Entspannungstechniken und durch das Wiedererlernen der Genussfreude („Euthymes Training").

Lichttherapie

Mitursache von Müdigkeit und depressiven Störungen ist meistens der Mangel an Licht. Dabei führt der fehlende Sonnenschein zu einer Störung des Melatoninhaushaltes. Dieses Hormon wird vor allem nachts ausgeschüttet, und es dient dem Einschlafen. In lichtärmeren Monaten baut der Körper das überschüssige Melatonin tagsüber nicht ausreichend ab, wodurch der Mensch müde bleibt.

Wirksamkeit kognitiver Verhaltenstherapie bei Depressionen

Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen stellt verhaltenstherapeutischen Behandlungsmethoden bei depressiven Syndromen ein sehr gutes Zeugnis aus, insbesondere bei leichten und mittelschweren Zuständen. Schwer depressive Menschen müssen in jedem Fall auch medikamentös (üblicherweise mit Antidepressiva) behandelt werden. Die Kombination mit Verhaltenstherapie stellt in diesem Fall eine optimale therapeutische Vorgehensweise dar.
Die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie gilt heute als wissenschaftlich belegt.

 

Medikamentöse Behandlung

Im Vordergrund der modernen Behandlung einer Depression stehen die Therapie mit Medikamenten (Antidepressiva) und die Psychotherapie. Der größte Behandlungserfolg wird bei einer Kombination der beiden Behandlungsformen erwartet.
Für nähere Informationen sind FachärztInnen für Psychiatrie und Neurologie Ansprechpartner.


Für zusätzliche Fragen bezüglich Psychotherapieverlauf, Notwendigkeit einer Psychotherapie, Psychologischer Diagnostik, Rahmenbedingungen, etc. stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung (Mag. Harald Hornich: 0676 380 40 64).